Schade, Maskerade


Vom Flügel der Hater-Szene

Ich bin eigentlich nicht so die Meckereule, ich bin meistens mehr „nett“. Aber jetzt, heute, finde auch ich die Gelegenheit, mal so richtig ausgelassen zu haten – und zwar ganz konkret gegen Hater. Die finde ich grundsätzlich schwierig, aber die Krise lässt nochmal eine ganz besondere Spezies ans Tageslicht kriechen. Ich nenne sie mal … den Flügel der Hater-Szene.

Das sind die, die Menschen angreifen, die Gutes tun. Das habe ich jetzt schon häufiger beobachtet und heute Morgen ist mir dann endgültig die Hutschnur gerissen (ist witzig, weil es um Näherinnen geht). Aber zurück zum Ernst der Lage, denn daran ist schwer was witzig zu finden: Die Mutter einer Freundin, die Gesichtsmasken näht, wird gerade, kaum zu glauben, von anderen Näherinnen an-ge-fein-det.

Die Sachlage: Sie näht jeden Tag bis spät abends Gesichtsmasken. Wer mag, kann sich eine Maske abholen und vorher noch ein Muster aussuchen. Ihre einzige Bitte: Gebt einen Betrag eurer Wahl. Materialkosten werden damit gedeckt und jeder weitere Cent geht an die Obdachlosenhilfe in Köln. Ihr Telefon steht gerade nicht still. Eine gute Sache – und zack, wird da mal eben draufgespuckt.

Die Anklage: Ein paar andere Menschen, die mit Nadel und Faden umgehen können, haben sich über ihr „Geschäftsmodell“ echauffiert. Wenn sie Gutes tun möchte, möge sie doch bitte selbst spenden. Masken nähen könne sie ja auch einfach so. So die freundliche Bitte aus den nachbarschaftlichen Reihen.

Seitdem verspüre ich ein leichtes Kratzen im Hals, diesen … ach ja … Brechreiz.

Kurz zurück zu den Fakten: Sie näht also etwa 20 Masken pro Tag – für Kollegen, Nachbarn, Freunde und Freunde von Freunden. So sind mal eben 500 Euro Spendengelder in wenigen Tagen zusammengekommen. Aber: Statt gerade die 13. Maske des heutigen Tages zu nähen, schlägt sie sich mit ebensolchen Kommentaren herum. Das kostet Nerven, Zeit und: Masken, die gerade nicht genäht werden können, aber dringend gebraucht werden.

Ich stelle mal eine steile These auf: Das sind dieselben Menschen, die unter Normalbedingungen an einem heiteren, sonnigen Frühlingstag zu sagen pflegen: „Es ist aber ganz schön warm“ und dabei gequält die Mundwinkel nach unten ziehen, in denen noch kleine Reste der leckeren, aber nicht lobenswert leckeren Sahnetorte von Kaffee und Kuchen in Nachbars Garten hängen.

Klar, ließe sich jetzt sagen: Ach, das sind doch nur zwei, drei doofe Tröten, die hier rumstänkern, scheiß´ drauf. Nee, weil: auch die sind zwei, drei zu viel. Denn das einzig Schöne in der schlimmen Lage ist doch die „neue“ solidarische Kreativität: Menschen, die gute Ideen haben und mit guten Ideen Gutes bewirken.

Als angemessene Reaktion darauf haben wir zwei recht simple Optionen, die ich hier nochmal in einfachen Worten erklären möchte: Mitmachen oder Mund halten.